Filmvorführung „Thank you for calling“ Mobiltelefonie kann Ihre Gesundheit schädigen – ein Film von Klaus Scheidsteger mit anschließender Diskussion

Rund 20 Interessierte hatten sich am 18. Juli im SÖS-Treff. für Politik und Kultur eingefunden, um sich den Film „Thank you for calling – Mobiltelefonie kann Ihre Gesundheit schädigen“ von dem Filmemacher und Journalisten Klaus Scheidsteger anzusehen und anschließend über die Gefahren der Handystrahlung zu diskutieren.

Die Mobilfunktechnologie hat unsere Kommunikation in den letzten 25 Jahren stark verändert. Für die meisten Menschen ist ein Leben ohne Handy oder Smartphone kaum noch denkbar. Doch welche Auswirkungen hat dies auf unsere Gesundheit? Wie gefährlich sind Mobilfunkstrahlen? Klaus Scheidsteger geht in seiner Dokumentation dieser Frage nach und kommt zu erschreckenden Ergebnissen.

Dabei zeigt er auf, wie Handykonzerne vorgehen, um wissenschaftliche Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung durch Mobilfunkstrahlen zu verharmlosen oder zu vertuschen. In dem Film ist zum Beispiel von einem „War Game Memo“ die Rede. Dabei handle es sich um ein Dokument von 1994, das von der US-amerikanischen PR-Agentur Burson-Marsteller erarbeitet worden sei. Darin würden der Mobilfunkindustrie Anweisungen gegeben, wie mit kritischen Wissenschaftlern umgegangen werden soll.

Und diese Taktik wird laut dem Film von den Mobilfunkunternehmen seither auch durchgezogen. Scheidsteger bringt mehrere Beispiele von Wissenschaftlern, die in ihren Studien ernsthafte Hinweise darauf gefunden haben, dass Handystrahlen die Gesundheit bedenklich schädigen können. So soll die Strahlung den Studien zufolge zum Beispiel Genschäden hervorrufen und damit auch Krebs, wie Hirntumore, auslösen können. Doch diese Forscher, wie der amerikanische Jurist sowie Zell- und Molekularbiologe George Carlo, Ygor Belyaev von der Universität Bratislava, der österreichische Wissenschaftler Hugo Rüdiger (Reflexstudie) oder Dimitris Panagopoulos von der Universität Athen, wurden, wie der Film aufzeigt, nach der Präsentation ihrer mobilfunkkritischen Ergebnisse diskreditiert, gemobbt, gekündigt oder auch persönlich attackiert. Der australische Wissenschaftler Michael Repacholi habe seine Studienergebnisse neu bewertet, nachdem er Gelder von der Mobilfunkindustrie erhalten habe.

„Thank you for calling“ geht außerdem auf die vor dem Washington D. C. Superior Court verhandelten Schadenersatzklagen (Sammelklage) gegen die Mobilfunkindustrie ein. Dabei wollten Gehirntumorpatienten beweisen, dass die Handystrahlen für ihre Erkrankung mitverantwortlich sind. Einige der oben genannten Wissenschaftler seien dabei als Experten angehört worden. Das Urteil vom 8. August 2014 hat, wie in dem Film betont wird, den Verbraucherschutz vorangetrieben. Der Richter habe verkündet, dass die Warnhinweise der Wissenschaft nicht ignoriert werden dürften und somit jeder einzelne Hirntumorfall vor Gericht verhandelt werde müsse. Die Wissenschaftler müssten dabei als Experten zugelassen werden. Dieser Prozess, bei dem inzwischen die Revision läuft, ist laut dem Film der bedeutendste Schadensersatzprozess gegen die Industrie und vergleichbar etwa mit den Prozessen gegen die Tabakindustrie.

Deutlich wird in dem Film auch, dass das eigentliche Problem beim Umgang mit den gesundheitlichen Risiken von Handys aber die Verbraucher selbst sind. Sie seien inzwischen von ihren Smartphones so abhängig, dass sie von gesundheitlichen Gefahren nichts wissen wollten.

Diskussions- und Fragerunde
Peter Hensinger von der Mobilfunkinitiative Stuttgart kennt viele Protagonisten des Films auch persönlich. Er stand nach dem Film für Fragen zur Verfügung. Dabei wies er darauf hin, dass sich Studien zufolge schon jetzt ein Anstieg der Hirntumorrate bemerkbar mache – insbesondere bei Jugendlichen. Dies sei insofern umso bedenklicher, als sonst solche Tumore im Durchschnitt eine Latenzzeit von 20 bis 30 Jahren hätten.

In der Diskussionsrunde wurde zudem erwähnt, dass die Strahlenbelastung durch Smartphones wesentlich höher ist, als durch normale Handys, da über die Apps ein ständiger Datenaustausch erfolgt. Außerdem wurde gefragt, warum die Mobilfunkindustrie nicht von der Tabakindustrie lerne, die bereits Milliardenbeträge als Schadenersatz zahlen musste. Nach Ansicht Hensingers liegt dies wohl daran, dass die Mobilfunkindustrie inzwischen gar nicht mehr von ihrer Verharmlosungstaktik weg könne. Zudem wollten viele Verbraucher ja von den Gefahren nichts wissen.

Auch die Strahlung von WLAN oder auch von DECT-Telefonen ist Hensinger zufolge gesundheitsgefährdend. Auch dazu gebe es zahlreiche Studien, allerdings wenige aus Deutschland. Zu groß sei die Angst der hiesigen Unis, dass ihnen bei Forschungsergebnissen, die der Industrie unangenehm sind, möglicherweise andere Drittmittel gestrichen werden könnten. Geforscht werde dazu derzeit vor allem in Indien, in den USA, in der Türkei, in China oder im Iran.

Es wurde bei der Diskussion darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, sich selbst zu schützen, zum Beispiel indem man zuhause das WLAN abschaltet oder beim Telefonieren mit dem Handy ein Headset benutzt. Noch wichtiger aber sei es, politisch vorzugehen, gegen Projekte, wie die Smart City zu protestieren, die Verbraucher aufzuklären, die wissenschaftliche Forschung voranzutreiben, Technik zu entwickeln, die die Strahlung reduziert, und zu unschädlichen Frequenzen, wie etwa zur VLC-Technik (VCL = Visible Light Communication), zu wechseln.

Weitere Informationen zum Film und zu der Thematik:

Unterstützer_in

Sibylle Wais, Verwaltungs­mitarbeiterin
Die Vielfalt, der bei SÖS beteiligten Menschen begeistert mich. Soviel Sach- und menschliche Kompetenz muss ins Rathaus. Weg mit den Tunnel­parteien!Sibylle Wais, Verwaltungs­mitarbeiterin

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