Arbeit und Wirtschaft
Wenn die Arbeit fair geteilt wird, werden Arbeitszeitverkürzung, Ausbildung und Fortbildung zu einer Kernaufgabe. Durch Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, Senkung des Rentenalters und durch Erhöhung des gesetzlichen Urlaubsanspruchs können neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Eine Strategie der Arbeitszeitverkürzung (30-Stundenwoche) steht allerdings immer auch in Konkurrenz zu dem Ziel, Einkommenserhöhungen durchzusetzen. Die durchschnittlich kürzeren Arbeitszeiten konnten in der Vergangenheit nur erreicht werden, indem die Beschäftigten auf einen Teil der ansonsten möglichen Einkommenserhöhungen verzichteten. Arbeit fair teilen führt zu einer höheren Erwerbstätigkeit und zu geringerer Arbeitslosigkeit.
Nicht alle in Deutschland gegenwärtig gezahlten Löhne sind existenzsichernd. Millionen Menschen in diesem Land können von ihrem Arbeitslohn (in Vollzeit) nicht leben und brauchen aufstockende Leistungen der Bundesagentur für Arbeit. Dieser Skandal kann nur durch die gesetzliche Festlegung von Mindestlöhnen überwunden werden. Notwendig ist ein nomineller gesetzlicher Mindestlohn von 10 Euro pro Stunde.
Wer keiner Erwerbsarbeit nachgehen kann oder nur weniger als eine bestimmte Mindest-wochenstundenzahl arbeiten kann, sollte eine auskömmliche Grundsicherung erhalten. Sie liegt deutlich über den gegenwärtigen Sätzen und wird zeitnah den steigenden Lebenshaltungskosten angepasst. Hartz IV hat zu keinen neuen Arbeitsplätzen geführt.
Das Leitbild der kürzeren Lebensarbeitszeit verfolgt auf der einen Seite die Absicht, über Arbeitszeitverkürzung die Erwerbsarbeit unter allen Männern und Frauen gleichmäßig aufzuteilen und für unsere Jugend Arbeitsplätze zu schaffen. Auf der anderen Seite möchte es Chancen eröffnen, die gewonnene Zeit für private oder familiäre Arbeit oder für politische und solidarische Arbeit einzusetzen. Damit haben wir mehr Zeit, unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten.
Eine Politik, die sich dem Prinzip Vorsorge verschreibt, kann sich nicht erlauben, auf unvermindertes wirtschaftliches Wachstum zu setzen. Der Trieb zur schrankenlosen Ausdehnung der Produktion liegt in der kapitalistischen Produktionsweise selbst begründet. Eine deutliche Entkopplung von Umweltverbrauch und Wirtschaftsleistung ist möglich und muss vorangetrieben werden. Es ist aber eine offene Frage, ob und gegebenenfalls wie und bis wann die für die Nachhaltigkeit notwendige Größenordnung erreicht werden kann. Kapitalismus – unabhängig davon, ob private, genossenschaftliche oder öffentliche Eigner dominieren – als Vorherrschaft des Renditekalküls über Gemeinwohlbelange, ist nicht zukunftsfähig.
Überlebensfähig ist nur eine Wirtschaftsform, die den Gemeingütern Umwelt und Lebensqualität Sitz und Stimme gibt.
