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Gerhard Wick

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Listenplatz 11
gerhard-wick2
Verleger
1951
Stuttgart Dürrlewang

Aufgewachsen und heute noch ansässig bin ich in Stuttgart Vaihingen, genauer im Stadtteil Rohr/Dürrlewang. Schon als Jugendlicher konnte ich es nicht lassen, mich in die Gestaltung und Entwicklung des Gemeinwesens, sowie die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse einzumischen:

Als Mitbegründer des heute noch bestehenden selbstverwalteten Jugendzentrum, dem „Jugendclub Rohr“, in der Mieter- und Bürgerinitiative Rohr/Dürrlewang für bessere Wohnverhältnisse und Gemeinschaftseinrichtungen für die Dürrlewanger Sozialmieter, später im „Initiativkreis Schwabenbräuareal“ (ISA), bei dessen Nachfolger der „Initiative schönes attraktives Vaihingen e.V.“ (für den Namen kann ich nichts) ich heute 2. Vorsitzender bin. Aktuell auch in der „Initiative gegen einen Fernomnibusbahnhof in Vaihingen“ (IgFOB). In solchen Bürger-Initiativen sehe ich bis heute Basisdemokratie am ehesten verwirklicht.

Seit fast 30 Jahren gehöre ich dem Vorstand des Mietervereins Stuttgart an und bin da besonders mit dem Bereich des sozialen Wohnungsbaus befasst. Die Forderung der SÖS, die Bereitstellung von ausreichendem und angemessenem Wohnraum für alle als kommunale Aufgabe der Daseinsvorsorge zu sehen, ist mir deshalb ein wichtiges Anliegen.

Beruflich habe ich als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Politik angefangen, dann als Sozialarbeiter weiter gemacht. Über viele Jahre war ich  Betriebsratsvorsitzender beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Stuttgart.
In Parteien war ich lange genug aktives Mitglied, um zu begreifen, dass die etablierten Parteien schon lange nicht mehr interessiert, was den Menschen nützt, sondern sie sich nur noch fragen, was der Partei nützt. Deshalb müssen sie vor den Wahlen auch lügen, dass sich die Balken biegen. Für meine Zielsetzung, die Interessen der Bevölkerung über Parteien in die politischen Entscheidungsprozesse einzubringen, sehe ich inzwischen bei den etablierten Parteien keine Erfolgsaussichten mehr.

Nach 20 Jahren Mitgliedschaft bin ich Anfang der 90er Jahre aus der SPD ausgetreten, als diese noch lange vor Schröder zur zweiten CDU wurde und sich endgültig und vollständig von der Seite der Benachteiligten auf die der Reichen schlug. Die Grünen habe ich 1998 verlassen, nachdem sie – kaum an der Regierung -  mit der Unterstützung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen Jugoslawien Deutschland wieder in die Gemeinschaft der kriegführenden Staaten zurückführten und den Pazifismus vom Gebot „Nie wieder Krieg“ zu „Nie wieder Krieg ohne uns“ weiterentwickelten.

20 Jahre Mitgliedschaft im Vaihinger Bezirksbeirat haben mir folgendes gezeigt: Um die direkte Beteiligung der in Stuttgart lebenden und arbeitenden Menschen an der Gestaltung und Entwicklung ihres Gemeinwesens, ihrer Stadt, war es hier noch nie besonders gut bestellt. Spätestens seit Anfang der 90er Jahre verzichtet auch die Mehrheit der gewählten Parteivertreter im Stuttgarter Gemeinderat  auf eine gemeinwohlorientierte Stadtplanung und überlässt Bauprojekte und deren Planung lieber gleich  privaten Investoren und Immobilienspekulanten, die nur auf schnelle und hohe Renditen bedacht sind. Gerade in den Stadtbezirken Vaihingen und Möhringen, aber auch in der Innenstadt ist es inzwischen augenscheinlich: Wo immer ein Investor oder eine Großfirma auf ein freies Gelände zeigt, wird ihnen das Baurecht bewilligt und meist dürfen sie dann auch gleich den gewünschten Bebauungsplan selbst ausarbeiten. Die vorgeschriebenen Bürgerbeteiligungen werden zur bloßen Farce. Die oft näher an der Bevölkerung stehenden Bezirksbeiräte werden vom Gemeinderat schlicht übergangen.

Das Stadtplanungsamt fungiert nur noch als Unterabteilung der Stabsabteilung Wirtschaftsförderung. Und die hat meist bereits alles mit Grundstückseigentümern und Investoren ausgehandelt ist, bevor es Gemeinderat und Öffentlichkeit überhaupt zu Gesicht bekommen. Die Parteikarrieristen im Gemeinderat lassen sich dies nicht nur gefallen, sie tragen auch selbst noch dazu bei, ihre politischen Spielräume zu verkleinern, indem sie nicht nur städtischen Grund und Boden, sondern auch so ziemlich alles, was zur kommunalen Daseinsvorsorge gehört, verkaufen und privatisieren und damit wieder allein dem Profitdenken anheim geben. Ich unterstütze mit Nachdruck die Forderung, die Bezirksbeiräte nicht nur direkt zu wählen, sondern ihnen auch ein Vetorecht für Projekte in ihrem Stadtbezirk einzuräumen.

Warum ich beim „Parteifreien Bündnis Stuttgart Ökologisch Sozial“ kandidiere: Seit nunmehr 10 Jahren gebe ich die Stadtbezirkszeitung „VorOrt – Zeitung für das andere Vaihingen“ heraus. Vor allem mit dem Ziel, die Bewohner des Stadtbezirks zu motivieren, sich selbst für die Gestaltung ihres Gemeinwesens zu engagieren und sich als die direkt Betroffenen einzumischen. Es genügt nicht alle 5 Jahre wählen zu gehen und die „Politik“  den „Volksvertretern“ zu überlassen, die in Wirklichkeit nur „Parteivertreter“ sind. Bis vor kurzem war ich sogar der Meinung, dass es in dieser Parteiendemokratie keinen Sinn macht, überhaupt zu wählen. Das Parteifreie Bündnis SÖS aber ist eben keine Partei, sondern genau das, was notwendig ist: ein Zusammenschluss von Bürgern dieser Stadt aus den verschiedensten Bürger-Initiativen kommend, die sich einmischen und an die Stelle der Parteiendemokratie die direkte Demokratie des Volkes stellen. Bei SÖS kann jede/r mit reden und mit entscheiden, dem es nicht um die Mehrung von privatem Profit, sondern um das Wohl des Gemeinwesens und der in ihm lebenden Menschen geht. Bei SÖS kann jede/r mit- aber nicht Karriere machen. Schon das halte ich für eine wichtige Voraussetzung für demokratische Strukturen.

Außerdem passt dieser Ansatz gut zu meiner von B.Brecht geliehenen Überzeugung:

„Ihr versteht, ich meine, dass wir keine andern Herren brauchen, sondern keine.“



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