Städtebauwettbewerb im Betonverbrauch?
9. Mai 2009, verfasst von Kurt Henzler
Abgelegt unter: Kandidaten-Blog
OB Schuster hat in einer Pressekonferenz vorgestellt, welche Bauvorhaben in Stuttgart in den nächsten Jahren verwirklicht werden sollen. Die Liste liest sich wie das Programm zur Teilnahme an einem städtebaulichen Wettbewerb mit dem Ziel, im Betonverbrauch an der Spitze aller teilnehmenden Großstädte zu liegen. Dass Städtebau aber in erster Linie bedeuten muss, die Lebensbedingungen der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern, Belastungen (z.B. durch den Verkehr) zu minimieren und damit eine lebendige und lebenswerte Stadt zu schaffen, ist bis zum OB in seinem Metropolenwahn noch nicht durchgedrungen. Dass ihm der Gemeinderat dabei mehrheitlich nur zu bereitwillig folgt, ist umso bedauerlicher, als die Bezirksbeiräte von z.B. Mitte und Süd inzwischen deutlich bewußter mit diesen Fragen umgehen – nur: Auf sie hört niemand.
Beispiel Paulinenbrücke
Im Bereich von Paulinen-, Marien- und Tübinger Strasse stehen mehrere große Bauprojekte an. Vernünftigerweise war erwogen worden, im Zusammenhang mit deren Realisierung die im Autowahn der 60er-Jahre entstandene Paulinenbrücke abzureissen und damit die Möglichkeit zu einer grundsätzlichen, deutlich verkehrsreduzierten Umgestaltung dieses Bereichs zu haben. Leider hat eine solche Heransgehensweise in Stuttgart keine Chance: Alles, was geplant ist, soll nach den Wünschen der Investoren realisiert werden, es entstehen massenhaft Tiefgaragenplätze und das Viertel erstickt erst recht im Verkehr.
Beispiel Verkehrsprojekte
Der Rosensteintunnel wird als letztes Teilstück eine neue Querungsmöglichkeit als Alternative zur Autobahn schaffen, die vor allem auch vom LKW-Verkehr (mautfrei) nur zu bereitwillig angenommen werden wird. Wie die Bürgerinnen und Bürger der Stadt von diesem zusätzlichen Verkehr betroffen sein werden, interessiert nicht.
Die Kulturmeile soll zwischen Wagenburgtunnel und Charlottenplatz untertunnelt werden. Da man damit den Durchgangsverkehr zusätzlich begünstigt, entsteht auch hier mehr Verkehr. Der oben bleibende Verkehr wird zudem nach wie vor so stark sein, dass von einer Aufhebung der trennenden Wirkung beileibe nicht gesprochen werden kann. Auch hier erkennt man klar: Lösungen, die die Aufenthalts- und Lebensqualität zu Lasten des motorisierten Verkehrs verbessern, sind derzeit in Stuttgart nicht durchzusetzen.
Bleibt die Hoffnung auf die Kommunalwahl: Andere Mehrheitsverhältnisse durch viele Stimmen für SÖS bringen vernünftigere Positionen im Gemeinderat stärker zu Gehör.




Wolfgang sagte am 7. Juni, 2009 um 16:53 Uhr:
“Auch heutige Stadtplaner können freundliche Räume schaffen. Wenn sie hartnäckig gegenüber Investoren sind.”
Welt online vom 07.06.09
http://is.gd/RDsf
Viel Erfolg bei der Auszählung heute abend!
Von mir gingen 10*3 + 30*1 an SÖS.