SÖS-Programm 2009 online
17. Mai 2009, verfasst von SÖS
Abgelegt unter: Publikationen
Das druckfrische SÖS-Programm kann ab sofort in Form von Themenblättern von unserer “Programm-Seite” wahlweise als PDF heruntergeladen oder online durchgeblättert werden.
Besonderes Augenmerk sollte auf das Themenblatt “Kultur und Bildung im Zeitalter des Web 2.0” gelegt werden, da Sie hier herzlich eingeladen sind, Ihre Kritik/Ideen als Kommentar zu hinterlassen. Diskutieren Sie mit uns und lassen Sie uns wissen, wie Sie die Politik im Rathaus gestalten würden, wenn Sie selbst ein gewähltes Gemeinderatmitglied wären.




Barbara Pfeifer sagte am 20. Mai, 2009 um 13:38 Uhr:
Liebe SÖSler,
ich kenne Euch erst seit vergangenem Samstag und habe Euer Programm mit Spannung gelesen – vieles davon gefällt mir sehr. Aber Stuttgart für alle – das stimmt noch nicht so ganz! Ich zitiere Euch: “Wir wollen das Recht auf Arbeit für alle Frauen, doch sollte jede Mutter selbst entscheiden können, ob sie arbeiten kann oder nicht.” Ja Himmel, sind den nur Frauen für die Kindererziehung zuständig? Dieser Satz klingt für mich fast wie 19. Jahrhundert! In meiner Beziehung bin ich die Ganztagsarbeitende, mein Partner arbeitet halbtags, damit wir die Geschichte mit dem angeblichen Ganztagskindergarten (7.30 Uhr – 15.30 Uhr) irgendwie hinkriegen. Ich kenne noch diverse andere Paare, die das so tun – und ich kenne auch alleinerziehende Väter. Also schreibt doch bitte “Frauen und Männer” sowie “Mütter und Väter”!
Auf der zweiten Seite desselben Blatts steht grammatikalisch noch etwas ganz Fatales: Wenn ältere Menschen in den Ruhestand gehen, “müssen in Zukunft vermehrt verlässliche Angebote und begleitende Aktivitäten für Senioren gschaffen werden. DIES ist eine ganz neue Herausforderung im Behindertenbereich” (seit wann sind Senioren behindert?)”, denn der Euthanasie im 3. Reich fielen viele geistig und körperlich Behinderte, aber auch psychisch kranke Menschen zum Opfer.” Öh, dass mit der Euthanasie wußte ich ja, aber dass die Nazis auch die Rentner ermordet haben???? (Keine Sorge, ich weiß, wie es gemeint ist, aber Ihr hättet mal jemanden Korrektur lesen lassen müssen, auch auf den anderen Blättern.)
Und warum man nun just Italienisch-Unterricht als Beispiel an den Schulen einführen muss (außer, weil ItalienerInnen bei Euch mitarbeiten), weiß ich auch nicht, ich hätte es politisch klüger gefunden, von Türkisch oder Serbisch/Kroatisch zu sprechen.
Definitiv unklar auf dem Blatt “Verkehrter Verkehr” ist mir, warum der Kfz-Verkehr ZUnimmt, wenn der ÖPNV-Verkehr wächst ohne Behinderung der Kfzs. Ich hätte schlimmstenfalls erwartet, dass er gleichbleibt. Aber warum ZUnahme? (Wir haben übrigens kein Auto und bewältigen trotz 5jähriger Tochter und doppelter Berufstätigkeite alles mit den Öffentlichen.)
Auch wenn mir Euer Frauenbild eher altbacken vorkommt (sofern überhaupt je bei Euch von Frauen die Rede ist) üblege ich ernsthaft, Euch zu wählen. Aber zu Eurem Frauenbild, da wüßte ich gern schon noch ein bisschen mehr!
Herzliche Grüße
Barbara Pfeifer
Gangolf Stocker sagte am 20. Mai, 2009 um 17:45 Uhr:
Liebe Barbara Pfeifer,
korrekt, Ihre Kritik (ich war selbst mal alleinerziehnder Vater). Und das mit den behinderten Rentnern.
Zum Verkehr (das ist mein Feld): Ich will Ihnen ein Beispiel nennen. In den 70er Jahren wurde die S-Bahn nach Vaihingen, Böblingen etc. gebaut. Man/frau erhoffte sich dadurch einen Rückgang des Kfz-Verkehrs in und aus dieser Richtung. Ein Jahr nach Fertigstellung wurde gezählt und die Überraschung war groß: Der ÖPNV hatte zwar um 11% (einschl. S-Bahn) zugenommen, der Kfz-Vekehr in und aus dieser Richtung um 13,3%. An der markungsgrenze aus allen Richtungen hatte der Kfz-Verkehr dagegen “nur” um 6,3% zugenommen. Es hatte also eine gewaltige Verkehrszunehme in und aus Böblingen stattgefunden, weil immer größere Teile des Speckgürtels in und um Böblingen verkehrlich erschlossen wurden, mit dem S-Bahn-Bau parallel dazu die Straße ausgebaut und somit Verkehr auf beiden Trassen erzeugt wurde. Größere Geschwindigkeit und schnellere Trassen – und das gilt für alle Verkehrsmittel – machen immer weiter entfernt liegende Räume erreichbar und erzeugen neuen Verkehr.
Ich hoffe, ich war verständlich. Herzliche Grüße/Gangolf Stocker
Gangolf Stocker sagte am 20. Mai, 2009 um 17:48 Uhr:
Die Schlussfolgerung, die Schlussfolgerung!!!! Will ich also Verkehr mittels Ausbau des ÖPNV von der Straße auf die Schiene verlagern, muss ich den Kfz-Verkehr entschleunigen, d.h. behindern. Gangolf Stocker
Kurt Henzler sagte am 20. Mai, 2009 um 21:59 Uhr:
Hallo Frau Pfeifer,
ich habe mir das Blatt, auf das Sie sich bei zwei Punkten beziehen, selbst auch nochmal kritisch angesehen. Bei den Müttern, denen “großzügig” eine Wahlmöglichkeit angeboten wird, bin ich ganz Ihrer Meinung. Selbstverständlich sollen Frau und Mann frei darin sein, miteinander zu regeln, wer Erwerbsarbeit und wer Familienarbeit in welchem Umfang leistet. Das ist eine Forderung in erster Linie an die Arbeitswelt.
Bei den Senioren haben Sie etwas mißverstanden: Mit diesem Passus werden nur die Senioren angesprochen, die als Behinderte vor Ihrer Rente in Behindertenwerkstätten arbeiteten. Für diese behinderten Senioren fehlen auf sie zugeschnittene Lösungen in Alten- und Pflegeheimen.
Barbara Hummel sagte am 21. Mai, 2009 um 23:45 Uhr:
Hallo, Barbara Pfeifer,
selbstverständlich treten wir für eine gleichberechtigte Partnerschaft mit gleicher Verteilung aller Aufgaben ein und vertreten ein Frauenbild des 21. Jahrhunderts. Das sieht man auch an der Anzahl der Kandidatinnen. Doch in der Realität beobachtet man leider zu oft, dass es meist Frauen sind, die sich um pflegebedürftige Angehörige oder Kindererziehung kümmern, und aus diesem Grund beruflich benachteiligt sind.
Wenn wir schreiben “jede Mutter sollte selbst entscheiden können, ob sie arbeiten kann oder nicht” denken wir vor allem an alleinerziehende Frauen. Sind sie Hartz IV-Empfängerinnen, sollten sie nicht zur Arbeit gezwungen werden, wenn sie kleine Kinder haben, die nicht ausreichend versorgt sind. Das gilt natürlich genauso für alleinerziehende Väter. Deshalb auch die Forderung nach flächendeckender und kostenloser Kinderbetreuung.
Nimmt man die von Ihnen zitierten “Senioren” aus dem Zusammenhang, liest sich das Ganze tatsächlich mißverständlich. In der Praxis ist jedoch zu beobachten, dass sich die Träger der Behindertenhilfe auf immer älter werdende behinderte SeniorInnen einstellen müssen. Nach Beendigung des Arbeitslebens brauchen diese Menschen deshalb neue tagesstrukturierende Angebote und Wohnformen. Es besteht sonst die Gefahr, dass sie sehr schnell in einem ganz normalen Alten- oder Pflegeheim landen, wo auf ihre speziellen Bedürfnisse nicht eingegangen werden kann.
Maria-Lina Kotelmann sagte am 2. Juni, 2009 um 13:43 Uhr:
Liebe Barbara Pfeifer,
Sie fragten uns warum man nun just Italienisch-Unterricht als Beispiel an den Schulen einführen muss und nicht Türkisch oder Serbisch/Kroatisch.
Insgesamt werden pro Jahr Waren im Wert von rund 120 Milliarden Euro exportiert. Ausgeführt wird weltweit, vor allem aber in die Länder der EU. Die größten Abnehmer sind Frankreich, Großbritannien und Italien. Insgesamt gesehen ist Baden-Württemberg stärker als der Durchschnitt der anderen deutschen Länder.
Aus diesem Grunde finde ich, dass es ausgesprochen wichtig ist, dass Stuttgart als Landeshauptstadt Baden-Württembergs hier den ersten Schritt geht, und die italienische Sprache in den Schulen einführt, um den Wirtschaftverkehr mit Italien aufrecht zu erhalten und gegebenenfalls auszubauen. Selbstverständlich ist es auch schön Türkisch oder Serbisch/Kroatisch anzubieten jedoch ist aktuell Italien der 3. stärkste Wirtschaftspartner Baden-Württembergs.
Lieben Gruß
Maria-Lina Kotelmann