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Aktuelle Situation der LBBW

22. März 2010, verfasst von  
Abgelegt unter: Anträge und Anfragen

Antrag und Anfrage vom 22.03.2010 (Nr. 100/2010)

In “global news” Nr. 1391 vom 04.02.2009 findet sich ein Artikel, in dem der Autor Joachim Jahnke auf die enorme Fälligkeit einiger deutscher Banken in den Jahren 2009 und 2010 hinweist. Spitzenreiter in der Liste sei die LBBW mit 206,1 Mio. US-Dollar fälliger Bankschulden in diesen beiden Jahren.

Wir hatten schon im vergangenen Jahr nach der Entwicklung der Ausfälle bei der Sachsen LB gefragt und wie sich speziell die Sealink-Papiere entwickeln – und ebenso, wie sich insgesamt und in diesem Bereich die Risiken der LBBW entwickeln. Die Auskunft war sehr pauschal. Sie ermöglichte nicht, sich unabhängig ein eigenes Bild zu machen. Im Landtag wird seit einigen Wochen verhandelt über die Auskunftspflicht, die die Landesregierung als Miteigentümerin der LBBW zu dieser Angelegenheit hat. Die Stadt Stuttgart ist ebenfalls Mit-Eigentümerin und insofern hat der Stadtrat ebenfalls das Recht auf detaillierte Auskunft.

Ganz aktuell berichtet die Presse, dass die LBBW beteiligt ist an der Ausgabe von Risikopapiere an die Kommunalen Wasserwerke Leipzig, aus welcher der Stadt Leipzig ein Risiko von 290 Mio. Euro droht. Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig und die Stadt Leipzig klagen dagegen. Der Schaden bleibt entweder bei der Kommune oder bei der LBBW. Es ergibt sich aus diesem Vorgang die Frage, welche ethischen, politischen und bankrechtlichen Grundsätze die LBBW leiten. Und daraus abgeleitet die Fragen: Wer in der LBBW ist haftbar für dieses Geschäftsgebaren? Und ist die LBBW in dieser Form ein zuverlässiger Geschäftspartner für Kommunen?

Wir fragen daher nach der Antwort auf die oben gestellten Fragen und wie sich die Risikoentwicklung der LBBW darstellt.

Wir beantragen daher, dass der Stadtkämmerer und die LBBW im Verwaltungsausschuss detailliert mit Unterlagen berichten.

Ulrike Küstler, Hannes Rockenbauch

Kommentare

1 Kommentar zu "Aktuelle Situation der LBBW"

  1. SÖS sagte am 12. Mai, 2010 um 2:12 Uhr: 

    Beantwortung und Stellungnahme zu Anfrage und Antrag (10.05.2010)

    “Nachfolgend beantwortet die Verwaltung die gestellten Fragen. Ergänzende Erläuterungen erfolgen in der nichtöffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses am 19. Mai 2010.

    1. Zur Refinanzierungssituation der LBBW (Fälligkeit Bankschulden)

    Die angegebenen fälligen Verbindlichkeiten der LBBW in Höhe von USD 206,1 Mrd. im Jahr 2009/2010 beziehen sich auf eine in „global news“ Nr. 1391 vom 4.2.2009 veröffentlichte Zahl, die wiederum auf die UBS als Quelle verweist. Weder die genannte Quelle noch die Zahl konnte nachvollzogen werden.

    Die Refinanzierungssituation der LBBW im Jahr 2009 stellt sich wie folgt dar:

    Die grundsätzlich kongruente Refinanzierung der LBBW für Neugeschäft stellt sicher, dass fällige Verbindlichkeiten durch fällige Aktiva gedeckt sind. Die Refinanzierung stützt sich in 2009 im Wesentlichen auf die drei Säulen Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten und Kunden sowie verbriefte Verbindlichkeiten (insbesondere Pfandbriefe und Schuldverschreibungen), die je nach Entwicklung des Geld- und Kapitalmarktes unterschiedlich stark genutzt wurden.

    Die Anforderungen der Liquiditätsverordnung wurden im Jahr 2009 jederzeit eingehalten.

    Die Liquiditätskennzahl (Verhältnis Zahlungsmittel zu Zahlungsverpflichtungen) der LBBW lag per 31. Dezember 2009 bei 1,52 (2008: 1,54). Die regulatorischen Mindestanforderungen von 1,0 werden damit deutlich übertroffen. Auch im Vergleich mit anderen deutschen Banken ist damit eine sehr solide Refinanzierung gewährleistet.

    2. Zur Entwicklung der „Ausfälle der Sachsen LB“, insb. „Sealink Papiere“

    Die Sachsen LB wurde 2008 von der LBBW übernommen. Ein Teil der verbrieften Wertpapiere der ehemaligen Sachsen LB wird von der Zweckgesellschaft Sealink verwaltet. Der andere Teil ist auf die LBBW übergegangen. Die Volumina dieser Portfolios wurden bereits in GRDrs 39/2008 dargestellt.

    Das Sealink-Portfolio hat derzeit ein Volumen von rd. 13,17 Mrd. EUR und setzt sich aus ca. 482 Wertpapieren zusammen (per 28.02.2010). Ein Großteil davon sind hypothekarisch gesicherte Wertpapiere (RMBS) aus den USA und Europa und mit Forderungen aus gewerblichen Hypothekendarlehen unterlegte Wertpapiere (CMBS). Daneben gibt es noch anderweitig unterlegte ABS, die sich vor allem aus Verbraucherkrediten, Studentendarlehen, Kreditkartenforderungen, Leasingforderungen und CDOs zusammensetzen. Der Freistaat Sachsen hat die LBBW durch eine Garantie über EUR 2,75 Mrd. abgesichert. Durch den Risikoschirm des Landes Baden-Württemberg wird darüber hinaus eine Garantie iHv. EUR 6 Mrd. gestellt.

    Über die detaillierte Entwicklung des Sealink-Portfolios wird den Ausschüssen und Gremien der LBBW regelmäßig und vollumfänglich berichtet. Darüber hinaus wird im FSF-Bericht (Financial Stability Forum Bericht), der von der LBBW freiwillig halbjährlich veröffentlicht wird, u.a. über Einzelheiten zum Verbriefungsportfolio berichtet.

    Im Übrigen wird nach meiner Kenntnis beim Land nicht über eine Auskunftspflicht der Landesregierung als Trägerin der LBBW verhandelt. Eine Kleine Anfrage vom 18.01.2010 wurde vom Finanzministerium beantwortet (Drucksache 14/5693).

    3. Zur Risikoentwicklung allgemein

    In der LBBW wurden im Rahmen eines angemessenen Risikomanagements für alle wesentlichen Risiken Maßnahmen zu deren Begrenzung bzw. Minimierung getroffen. Für alle Risiken wird ausreichend Kapital vorgehalten.

    Das Jahr 2009 war für die LBBW geprägt durch den Übergang aus der Finanzkrise mit extremen Verwerfungen der Marktpreise hin zur Wirtschaftskrise mit realwirtschaftlichen Effekten und den sich anschließenden deutlichen Auswirkungen auf die Portfolioqualität.
    Insgesamt ergab sich im ersten Halbjahr teilweise eine sehr hohe Auslastung der Risikodeckungsmasse. Durch die Kapitalerhöhung um 5 Mrd. € und das Aufspannen des Risikoschirms zur Immunisierung von Risiken sowie die teilweise Markterholung konnte zur Jahresmitte jedoch eine deutliche Entspannung der Situation herbeigeführt werden. Trotz der darauf folgenden Erhöhung der Risikovorsorge im Kreditgeschäft im 2. Halbjahr 2009 und der Belastungen aus den Restrukturierungsmaßnahmen aufgrund von EU-Vorgaben ist zum 31.12.2009 eine auskömmliche Risikotragfähigkeitssituation vorhanden.

    Für detaillierte Aussagen über die Risikosituation bei der LBBW wird auf den im Rahmen des Geschäftsberichts öffentlich zugänglichen Risikobericht der LBBW verwiesen. Über die aktuelle Risikosituation der LBBW werden die Gremien und Ausschüsse zudem regelmäßig informiert.

    4. Zur „Ausgabe von Risikopapieren an die Kommunalen Wasserwerke Leipzig“

    Selbstverständlich ist die LBBW ein zuverlässiger Geschäftspartner für die Kommunen. Zu bestehenden Kundenbeziehungen kann die LBBW jedoch keine Auskunft geben.”

    Quelle stuttgart.de

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