RAMBO-MANIEREN Bau- und Heimstättenverein brüskiert den Gemeinderat, den Bezirksbeirat Ost und den Mieterverein
4. Januar 2013, Verfasser: Christine
Abgelegt unter: SÖS-Bezirksbeiräte
Rambo-Manieren
Bau- und Heimstättenverein brüskiert den Gemeinderat, den Bezirksbeirat Ost und den Mieterverein
In den 20er Jahren entstanden allerorts Wohnungsgenossenschaften. Diese bauten Siedlungen in den Städten, um ihre Mitglieder mit Wohnungen zu versorgen. Diese Baugenossenschaften waren gemeinnützig. Heute gehören diese Wohnungen zur Kategorie der preisgünstigen Wohnungen, deren Mieten auch für Einkommensschwache bezahlbar sind. Es sei denn,
a) sie wurden renoviert und dann verkauft, oder
b) sie wurden renoviert und dann wieder vermietet, allerdings mit saftigen Preiserhöhungen, und die bisherigen Mieter füllen nun die Wohnungs-Notfallkartei, oder
c) sie wurden abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
In diesen 20er Jahren versuchten auch einige Architekten einen modernen, zukunftsweisenden Baustil für Arbeiterwohnungen auszuprobieren. In Stuttgart entstand nicht nur der Wohnungsbau der Bauhaus-Architekten auf dem Weißenhof. Es entstanden mehrere Abeitersiedlungen, die den lohnabhängigen Schichten zum Hauseigentum verhalfen, aber auch der Mietwohnungsbau für Arbeiterfamilien. Karl Beer war einer der Architekten, der gerade für diese Familien Miet-Wohnhäuser entwarf, die sowohl erschwinglich waren als auch für die damalige Zeit wegweisende, moderne Architektur darstellten
(http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Beer)
Für den Bau- und Heimstättenverein Stuttgart baute Karl Beer in Stuttgart mehrere Gebäude, unter anderem das Wohnhaus Wagenburgstraße. 149 – 153. Dieses Wohnhaus ist bis heute stadtteilprägend. Und jetzt beginnt die eigentliche Geschichte.
Der Bau- und Heimstättenverein will dieses Gebäude nun abreißen lassen und durch einen Neubau ersetzen. Billiger Wohnraum wird verschwinden. Vor allem aber verschwindet ein Stück Architekturkultur im Stuttgarter Osten. Dagegen wehren sich der Mieterverein, der Bezirksbeirat Ost und zuletzt der Gemeinderat. Dieser hat noch vor der Sommerpause eine Erhaltungssatzung für dieses Gebäude beschlossen.
Der Bau- und Heimstättenverein reagierte sofort. Er schrieb den noch verbliebenen Mietern (zuvor waren schon viele Mieter auszogen, weil Druck auf sie ausgeübt wurde), sie hätten bis Ende Dezember auszuziehen, dann würden sämtliche Leitungen (Gas, Wasser, Strom) still gelegt, auch Kleinstreparaturen wurden nicht mehr durchgeführt, und im Januar würde abgebrochen werden. Das kennt man eigentlich nur von Heuschrecken, nicht aber von gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften. Das ist hart am Rand der Nötigung.
Beim Baurechtsamt hat der Verein den Abbruch beantragt. Der Antrag wurde abgewiesen. Dagegen hat der Verein Widerspruch eingelegt. Entscheiden muss jetzt das Regierungspräsidium.
Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins ist Martin Körner. Martin Körner ist auch Bezirksvorsteher in Stuttgart-Ost, dessen Bezirksbeirat einstimmig den Erhalt des Gebäudes gefordert hatte. Martin Körner ist SPD-Mitglied, wie auch der Mietervereinsvorsitzende, der für den Erhalt des Gebäudes votiert und empört ist über den Rambo-Stil des Bau- und Heimstättenvereins. Deren Genossen haben im Gemeinderat für die Erhaltungsatzung gestimmt. |gs|
Artikel aus Stadt.Plan 4 I 2012
Bericht vom Bezirksbeirat Stuttgart West
16. Dezember 2009, Verfasser: Doris Hensinger
Abgelegt unter: SÖS-Bezirksbeiräte
Auf unserer ersten Sitzung als neue Bezirksbeiräte am 01.12.2009 gab es für mich als Mitglied der Bürgerinitiative Mobilfunk Stuttgart West zwei Überraschungen.
Die Grünen-Faktion hatte für diese Sitzung einen Antrag zum Mobilfunk gestellt mit dem Ziel, die Strahlenbelastung in Stuttgart zu minimieren. Konkret soll das Vorsorgeprinzip konsequent angewandt werden, so sollen die Leistung der vorhandenen Handymasten minimiert und Sicherheitsabstände zu Kindergärten und Schulen eingehalten werden. Um den Wildwuchs von Handymasten in Stuttgart zu stoppen, wird eine gemeinsame Netzplanung für das Stuttgarter Stadtgebiet gefordert. Diese Forderungen sollen durch einen Runden Tisch mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Netzbetreiber und Bürgerinitiativen umgesetzt werden.
Dieser Antrag ist sehr erfreulich und fand natürlich die Zustimmung unserer SÖS/ Linke-Fraktion. In der Diskussion und Beschlussfassung erlebte ich meine zweite Überraschung:
Der Antrag wurde den Bezirksbeiräten einstimmig angenommen!
Je mehr man Bescheid weiß, desto mehr fallen die Masten auf, und das Bedürfnis wächst, sich und die bestrahlte Bevölkerung zu schützen.
Die Bezirksbeiräte sehen nicht ein, warum wir durch 4fache Strahlenautobahnen gleichzeitig Tag und Nacht bestrahlt werden – es ist notwendig, eine vorsorgende Strahlenkonzeption in Stuttgart zu erarbeiten.
Hintergrund dieser positiven Entwicklung sind die Proteste von Bürgern gegen die Masten in der Bismarckstraße, der Bebelstraße und den geplanten Masten in der Rötestraße – und die Aufklärungsarbeit unserer Bürgerinitiative.
Auch im Bezirksbeirat S-West haben wir in den letzten zwei Jahren zwei Vorträge gehalten: Zum einen über die Risiken des Mobilfunks für die Gesundheit und zum anderen über die Möglichkeiten der Reduzierung der Strahlenbelastung durch eine intelligente Netzplanung, mit der man bis zu 90% der Strahlung einsparen und trotzdem noch telefonieren kann, wenn auch nicht mehr im tiefen Keller.
Ich schlage vor, dass das Beispiel des Bezirksbeirats West Schule macht. Denn nicht nur im Stuttgarter Westen wird die Bevölkerung bestrahlt!
Im Bezirksbeirat S-Süd wird am 8.12. ebenfalls ein Antrag der Grünen zum Mobilfunk in Stuttgart zur Abstimmung kommen. Gut so. Weiter so.


