Rundfahrt: „Feinstaub und Stickoxide ade – her mit der RADFAHR-WENDE!“

Am 2. Mai 2018 traf sich ein gutes Dutzend Radler_innen an der U-Bahnhaltestelle Ruhbank/Fernsehturm mit Frank Zühlke vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) unter dem Motto „Feinstaub und Stickoxide ade – her mit der RADFAHR-WENDE!“, um auf Einladung von SÖS Sillenbuch eine Rundfahrt durch den Stadtbezirk zu machen.

Schon am Ausgangspunkt zeigten sich die ersten Schwachpunkte der Radwegeführung: Die Überquerung der mittleren Filderlinie gemeinsam mit Fußgänger_innen in Richtung Fernsehturm ist viel zu eng, die Wartezeiten an der Ampel lang, die Fortführung Richtung Waldau unbefriedigend.

Entlang der HR 10 an der Kirchheimer Str. ging es durch Sillenbuch, wo vor allem die schwierige Situation in der Ortsmitte mit Engstellen und Mischverkehr mit Fußgänger_innen, Behinderung durch Baustellen, PKWs und sogar durch ein mobiles WC-Häuschen festgestellt wurden. Nach der abrupt endenden Radspur bei der Unterführung nach Heumaden ü.d. Str. und einem kritischen Blick auf die für Radler_innen gefährliche Abfahrt über die Birkacher Str. von Riedenberg zur mittlere Filderlinie endete die gut einstündige Tour am Clara-Zetkin-Waldheim.

Dort sprach Herr Zühlke anhand von bebilderten Beispielen über Grundsätze und verschiedene Möglichkeiten guter Radwegplanung. Der stellvertretende Vorsitzende des ADFC in Stuttgart, zuständig für Verkehrspolitik, Fachreferent Infrastruktur im Landesverband des ADFC und Sprecher der Projektgruppe Infrastruktur im Stuttgarter Radforum, ist für dieses Thema bestens qualifiziert und kennt darüber hinaus die Stuttgarter Radwege wie aus der Westentasche.

Anschließend konnten die Anwesenden ihre Fragen, Kritik und Vorschläge äußern und diskutieren. Dabei zeigte sich auch, dass die vom Bezirksbeirat favorisierte Alternativroute zur HR 10 über Silberwaldstr. und Höhenringweg einige Problemstellen aufweist. Die Stadtverwaltung lehnt bislang zudem eine andere Streckenführung für die HR 10 durch Sillenbuch ab. Schon vor 1 1⁄2 Jahren wurden Verbesserungen wie getrennte Fuß-/Radfurten an den Ampeln versprochen, jedoch keine Lösung für die schwierige Situation z.B. an der Haltestelle Sillenbuch, wo reger Fußverkehr regelmäßig mit dem wachsenden und zum Teil sehr schnellen Radverkehr zu Ärger und Gefährdungen führt.

Die für SÖS in Sillenbuch Aktiven sprechen sich für eine Beschränkung der Geschwindigkeit auf der Kirchheimer Straße auf 30 km/h und die Freigabe der Straße für den Radverkehr aus. So könnten die schnellen Radpendler_innen auch längere Strecken z.B. zur Arbeitsstelle bewältigen, ohne dauernd behindert und ausgebremst zu werden und damit den Umstieg vom PKW auf umweltfreundliche Fortbewegung voran bringen. Die Forderung nach 30 km/h auf der Kirchh. Str. erhebt im Übrigen auch der Zusammenschluss der Gewerbetreibenden vor Ort, die Sillenbucher Meile.

Neben der positiv erwähnten Öffnung der meisten Einbahnstraßen im Stadtbezirk wurde festgestellt, dass die Förderung des Radverkehrs insgesamt sehr schleppend vorangeht. Immer noch gefährden unerlaubt durchfahrende PKW die Radler_innen auf dem Hohlweg nach Rohracker, der Belag einiger häufig genutzter Wege z.B. unterhalb des Ostfilderfriedhofs ist schlecht, für die Birkacher Straße ist keine Lösung in Sicht.

SÖS kritisiert, daß bei der Förderung des Radverkehrs in Stuttgart noch immer das Prinzip gelte: Zuerst muss der Autoverkehr laufen, dann der ÖPNV, dann kommen irgendwann Rad- und Fußverkehr. Ein echter Perspektivenwechsel lässt auf sich warten. So kommt es, dass immer nur da, wo gerade Platz ist, ein Radweg hingequetscht wird. Bus- und Radspuren enden nach ein paar Hundert Metern wieder, weil ihre Weiterführung Parkplätze kosten könnte, Radwege werden mit Fußwegen zusammengelegt, nur damit die Fahrräder weg von der Straße sind.

Gemeinderät_innen fordern unverdrossen zur Vermeidung von Fahrverboten die „Grüne Welle“ für den Autoverkehr, auch wenn das für Radelnde und Fußgänger_innen übermäßige Wartezeiten an den Ampeln und weitere Behinderungen bedeutet.
Ein Radentscheid wie u.a. in Berlin und Nürnberg erfolgreich, soll im Sommer auf den Weg gebracht werden und mit 10 grundlegenden Forderungen die Radmobilität in Stuttgart schneller voranbringen. Eine Gruppe engagierter Bürger_innen erarbeitet zur Zeit die rechtlichen Grundlagen für das geplante Bürgerbegehren. (http://radentscheid-stuttgart.de/)
Mit dem Ausblick auf eine erfreulich aktive Szene von Anhänger_innen umweltfreundlicher Fortbewegung endete der Abend schließlich.

Unterstützer_in

Christoph Reinstadler, Heilerziehungspfleger
SÖS ist für mich die Schnittstelle zwischen Rathaus und Bürger. Das ist für mich gelebte basis­orientierte Demokratie!Christoph Reinstadler, Heilerziehungspfleger

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