Liebenswertes Baudenkmal einfach abgerissen

„Eine Aktion mit über 500 Unterschriften, Anträge im Bezirksbeirat und Gemeinderat – was wurde nicht alles versucht, um das mehrfach ausgezeichnete Wangener Tor, Wahrzeichen des Stadtbezirks, zu retten! Alles umsonst! Das ebenso originelle wie liebenswerte Baudenkmal wurde jetzt abgerissen – ankündigungs- und diskussionslos,“ kritisiert unsere SÖS-Stadträtin Guntrun Müller-Enßlin.

Weder sein Schöpfer Wolfgang Zaumseil noch die engagierten Wangener Bürger*innen wurden informiert. Ein Denkmal wurde geschleift, das Mitte der 80er Jahre unter der Beteiligung von über 100 Jugendlichen aus aller Welt entstanden ist.

Kreative Ideen von jungen Menschen, flossen in die Gestaltung ein, Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund und Asylbewerber*innen arbeiteten unter der Leitung des Architekten Wolfgang Zaumseil gemeinsam über vier Jahre an diesem Bauwerk. Es wurde damit zu einem vorbildlichen Integrationsprojekt, das über Mitmachen, Spielen, Ausprobieren Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenführte. Die Leitidee war, sich beteiligen und einbringen, sich den öffentlichen Raum aneignen anstatt ‚nur‘ zu konsumieren.

Unsere SÖS-Stadträtin Guntrun Müller-Enßlin „verschlägt es bei der Rücksichtslosigkeit und Geschichtsvergessenheit dieser Aktion den Atem, hat aber in Stuttgart Tradition. Man erinnere sich nur an das Alte Steinhaus zwischen der Schul- und der Stiftsstraße, mit 700 Jahren das älteste Gebäude der Stadt, das, nachdem es den zweiten Weltkrieg überlebt hatte, 1953 dem Erdboden gleichgemacht wurde – für sage und schreibe vier Parkplätze.“

Angesichts der zahlreichen Abrisssünden fällte kürzlich ein Leserbriefschreiber folgendes ironische Urteil: „Alles, was in Stuttgart nur halbwegs stadtbildprägend ist, muss weg! Das ist die Maxime, der sich Stuttgart seit Kriegsende mit sichtbarem Erfolg verschrieben hat … Ziel der Stuttgarter Planer ist es, ein Ground Zero der Gesichts- und Geschichtslosigkeit zu schaffen.“ (Heinz Kohl, Weil der Stadt, StZ am 19./20.3.22).

Unsere Fraktionsgemeinschaft im Gemeinderat „Die FrAKTION“ reichte im März 2021 einen Antrag mit Vorschlägen zum Erhalt des Tors ein. Für die Beantwortung ließ sich die Stadtverwaltung unfassbare 315 Tage Zeit. SÖS fragt nach: Warum jetzt auf einmal die Eile mit dem Abriss? Wer hat ihn veranlasst? Was kommt als Nächstes? Was wird noch alles platt gemacht ohne Not, weil es in den Augen der Verwaltungsspitze „funktionslos und unwirtschaftlich“ ist?

SÖS-Stadträtin Guntrun Müller-Enßlin: „Als Gemeinderatsmitglied verliert man die Lust, sich für Baukultur einzusetzen, wenn man es dabei mit Ignoranten zu tun hat, die mit den Denkmälern ihrer Stadt so umgehen! Stuttgart? Nein, Schilda!“

Wangen ist seit 1956 einer von 23 Stuttgarter eigenen Stadtbezirken und hat etwas mehr als 9.000 Einwohner*innen.

Foto: Fraktionsgemeinschaft Die FrAKTION > Linke > SÖS > Piraten > Tierschutz


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Johannes Rauschenberger, Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater
Das Parteifreie Bündnis SÖS ist die Hoffnung der StuttgarterInnen in der Kommunalpolitik. Ich setze mich ein für eine deutliche Verbesserung des Wahlergebnisses gegenüber 2009, da ich will, dass das Immobilien- und Tunnelprojekt Stuttgart 21 endlich gestoppt wird.Johannes Rauschenberger, Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater

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