Bauen First, Klima Second?

Stuttgart ist eine der wärmsten und windschwächsten Städte in Deutschland. Die schlechte Belüftung lässt im Sommer den Talkessel oft zum Brutkasten werden. Wegen der Kessellage droht Stuttgart bei einem klimafeindlichen Weiter-So eine Hitzehölle: 60 bis 70 Hitzetage mit mehr als 30 Grad Celsius (!) sagen Klimaforscher für das Jahr 2050 voraus. „Hitzewellen sind stille Killer und töten lautlos“, so der Stuttgarter Klimaexperte Professor Dr. Jürgen Baumüller.

Leerstehendes Gebäude auf dem Eiermann-Areal

Klima- und Landschaftsschutz war gestern

Mit Worten schützen viele in Stuttgart und um Stuttgart herum das Klima. Auch die Mehrheit unseres Gemeinderates. Wenn es ums Tun geht, machen viele so weiter, als drohe keine Klimakatastrophe. Entsetzt stellt der Vaihinger SÖS-Bezirksbeirat Gerhard Wick fest: „Klimaschutz und Landwirtschaft war gestern, jetzt zählt nur noch: bauen, bauen, bauen.“:

– In Stuttgart-Vaihingen wurde das Abschneiden einer wichtigen Frischluftschneise durch ein Bürogroßprojekt der Allianz genehmigt.
– Für die Bebauung des Eiermann-Geländes sollen 35.000 m2 Wald geopfert werden. Mitten in einer Frischluftschneise wird ein 20-stöckiges Hochhaus geplant.
– Als „zukunftsweisenden“ Beitrag zur CO2 Neutralität propagiert die Uni Stuttgart einen autofreien Campus in Vaihingen. Dafür soll am klimarelevanten Rand ein riesiges Parkhaus entstehen. Die bisherigen Parkflächen werden bebaut statt begrünt. Uni und Fraunhofer-Institut fressen sich weiter in die frischluftrelevante Landschaft.
– Insgesamt sehen aktuelle Bauplanungen allein in Vaihingen die Abholzung von über 10 ha Wald vor.
– Auch Stuttgart 21 wird mit jeder Erweiterungsplanung ein noch größerer ökologischer Sündenfall.
– Oberbürgermeister Frank Nopper will 1800 neue Wohnungen pro Jahr. Die CDU fordert temporäre Holzmodulbauten und will die Streuobstwiesen am Rohrer Weg nun doch bebauen. Die SPD fordert mindestens 2000 Wohneinheiten und macht auch vor dem Birkacher Feld keinen Halt.

Für SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch aber hat „dieser bizarre Überbietungs-Wettkampf Folgen, weil vier Wände außer einem Dach, auch einen Boden brauchen. Da der Boden in Stuttgart bekanntlich knapp ist, lechzen die Schwarzen und Rosaroten jetzt nach weiteren Bauflächen, ohne Klimafolgen einzuplanen!“

 

Revolutionärer Paradigmenwechsel

Angesichts milliardenschwerer Umweltschäden fordert jetzt auch die Versicherungswirtschaft eine Klima-Gefährdungsbeurteilung bei jeder Baugenehmigung. Für „einen revolutionären Paradigmenwechsel“ plädiert der Architekturprofessor Werner Sobek in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung. Den Anteil des Bauwesens an den weltweiten Treibhausgasemissionen beziffert Sobek auf mehr als 50 Prozent. Konzepte, wie Stadtentwicklung und Wohnungsbau in Stuttgart mit Blick auf die Erhitzung aussehen müssen, gibt es:

Im 2012 vom Gemeinderat beschlossenen Klimaschutzkonzept (KLIKS) und dem Klimaanpassungskonzept (KLIMAKS) sind dazu zahlreiche notwendige Maßnahmen aufgeführt. Auf den Seiten des Umweltamtes lesen wir unter der Überschrift „Was macht Stuttgart gegen den Klimawandel“ z. B: „Grünflächen erhalten und ausweiten – Frischluftschneisen freihalten.“

SÖS hat mit unserer Gemeinderatsfraktion bereits im Oktober 2019 den Antrag „Stuttgart braucht ein Klimareferat“ gestellt.  In einer aktuellen Neuauflage unseres Antrages sollte das Klimareferat nach Heidelberger Vorbild „Klimaschutz, Umwelt und Mobilität“ umfassen. Es muss den von Prof. Sobek geforderten „revolutionären Paradigmenwechsel“ einleiten.

Ein klimagerechter Beitrag zu diesem Paradigmenwechsel wäre z. B. die Bebauung des Eiermann-Geländes unter strengen ökologischen, energetischen und sozialen Standards (Plus-Energie-Standard, Schwammstadt, Quartierswärmenetz mit erneuerbaren Energien, autofrei) Dies beantragte unsere FrAKTION Anfang Mai im Gemeinderat.

Link zum Antrag: https://diefraktion-stuttgart.de/2022/05/06/staedtebauliche-entwicklungsmassnahme-fuer-eiermann-campus/

 

Bild: Roland Hägele

 


Vorankündigung: ENDLICH WIEDER!

Kommt am 19. Juni 22 um 14:00 Uhr zum Picknick auf die B14 zwischen Charlottenplatz und Wilhelmsplatz

Die B14 ist ein Symbol für die jahrzehntelange Verkehrspolitik in Stuttgart, die uns Raum raubt und krank macht. Weg von der grotesken Autofixierung, hin zu neuen Wegen der Mobilität.

Es geht um öffentlichen Raum, der jetzt noch von Autos besetzt ist – um öffentlichen Raum, den sich Menschen wieder aneignen als Fußgänger*innen, Radfahrer*innen, als Raum für Spielen und Leben.

Platz da! für einen würdigen Fußverkehr, für ein fußgerechtes Stuttgart
Platz da! Radfahren für alle – auch Kinder und Senior*innen sollen sicher in Stuttgart Radfahren können
Platz da! für einen kostenlosen Öffentlichen Nahverkehr, 365 Tage im Jahr
Platz da! für eine Mobilitätswende

Wir packen unseren Picknick-Korb und nehmen mit: Tee, Kaffee, Kuchen, Skateboard, Sandwiches, Limo, Fussball, eine Torwand, Tipp-Kick, Salat, Schach, Federball, Tischtennis, Hängematte … was ihr so braucht.

Lasst uns gemeinsam die B14 ohne Autoverkehr erleben, mit Musik, mit kurzweiligen Redebeiträgen für die Vision „Stuttgart autofrei“ in einer klimagerechten Stadt.

 


 

Spendenkonto SÖS:
SÖS – Stuttgart ökologisch sozial
GLS Gemeinschaftsbank eG
IBAN: DE95 4306 0967 0068 9987 00 BIC: GENODEM1GLS

 


 

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Sibylle Wais, Verwaltungs­mitarbeiterin
Die Vielfalt, der bei SÖS beteiligten Menschen begeistert mich. Soviel Sach- und menschliche Kompetenz muss ins Rathaus. Weg mit den Tunnel­parteien!Sibylle Wais, Verwaltungs­mitarbeiterin

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