Antrag 15.01.18: Projekt Stuttgart 21 – Anstehende Bauarbeiten im Bahn-Gleisfeld bei Obertürkheim

Antrag: / Anfrage:

Wir fordern von der Stadt Stuttgart, bei der DB AG darauf hinzuwirken, die Stuttgart21-Baumaßnahmen auf den Gleisfeldern in Obertürkheim (künftige Einfädelung des „Wangener Tunnels“ in die Neckartalbahn nach Plochingen) mit ihren schweren Belastungen für das gesamte Areal Augsburgerstraß/Imweg, bis zu einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, erwartet im Sommer 2018, vorläufig einzustellen.

Begründung:

Beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ist eine Klage der Stuttgarter Netz AG gegen das Eisenbahn-Bundesamt EBA/Bonn (in Vertretung der DB AG) anhängig, die Verhandlung in der Sache läuft am 28. Juni 2018 beim 3. Senat des Gerichts unter dem Aktenzeichen 3 C 21.16.

Eine von diesem höchsten Gericht gefällte Entscheidung wird zeitnah erwartet. Sollte die Klägerin dort Recht bekommen, ist das gesamte „Bahnprojekt Stuttgart 21“ in seiner jetzigen Planung nicht mehr durchführbar.

Der Kopfbahnhof müsste demnach für einen Bahnbetrieb mit mindestens 8-10 Gleisen erhalten bleiben. Als Alternative für die bisherigen Ziele des Projektes könnte so nur noch die Bauvariante in Frage kommen, die im sog. „Schlichtungsverfahren“ von Dr. Heiner Geißler als „Kombi-Lösung“ vorgeschlagen wurde.

Diese Lösung sieht einen Tiefbahnhof mit nur 4 Durchgangsgleisen vor:

Für die Fernstrecke Mannheim-München („Paris-Bratislava“), durch den Feuerbacher Tunnel via Tiefbahnhof und Fildertunnel, von dort auf der Schnellstrecke weiter Richtung Ulm.

Zwischenbemerkung:

Die mittlerweile zugegebene mindestens 3-jährige Verzögerung der Fertigstellung von Stuttgart 21 gegenüber der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm (NBS), sowie aktuellste Medienmeldungen zur Flughafenbedienung durch die DB-Fernverkehr haben auch die Geissler‘sche Idee zu Makulatur werden lassen:

  1. Ort eines Flughafenbahnhof ist nicht geklärt
  2. Es sollen nach Fertigstellung dort wesentlich weniger Fernzüge halten als in der „Volksabstimmung“ zugesagt.
  3. Da die Neubaustrecke (NBS) ihren Bauzeitplan voraussichtlich einhalten wird, müssen bis zur derzeit 3 Jahre verspäteten Fertigstellung des Projekts S 21 alle Fernzüge über Wendlingen > Plochingen > Esslingen zum oberirdischen Bahnhof in Stuttgart geleitet werden.

Dies kann nur über die bei Wendlingen eingeplante leistungsschwache 1-gleisige und nicht kreuzungsfreie „Güterzugspange“ von der Neubaustrecke in die Neckartalbestandsstrecke erfolgen.

Hinweis: Diese Verspätungen auf allen Zulaufstrecken vorprogrammierende Engpassstelle wird allein durch die von der Gruppe „Umstieg 21“ vorgeschlagene 2-gleisige und kreuzungsfreie Einbindung der NBS in die Neckartalbahn behoben.

Die bislang vom Tiefbahnhof aus geplanten Verbindungen Richtung Würzburg, Pforzheim/Karlsruhe, Gäubahn/Zürich und Nürnberg würden nach einem Gerichtsurteil zugunsten der Stuttgarter Netz AG (SNAG) demnach weiterhin im oberirdischen Kopfbahnhof mit ca. 8 -10 Gleisen verbleiben.

So auch die Perspektive von Dr. Geißler („Kombi-Lösung“) formuliert.

In diesem Fall würde der Teil der Neubaustrecke, der Obertürkheim erreichen soll, nicht mehr in Betrieb gehen.

Im Tunnel durch den Ameisenberg fiele die Verzweigung von der Hauptstrecke zum Flughafen, also die neuen Strecken in Richtung Cannstatt/Nürnberg und Plochingen/Filstal weg, oder es entstünde eine sinnlose Doppelung: die in Frage kommenden Züge Richtung Ulm, ggf. Tübingen, auch Nürnberg, würden aus dem Kopfbahnhof weiter die alte Strecke befahren.

Sämtliche Bauarbeiten für diesen Teil des Projektes wären nach einem möglichen letztinstanzlichen Urteil obsolet, alle jetzt im Frühjahr geplanten Baumaßnahmen vergeblich, und gewaltige Rückbau-Probleme kämen ggf. auf Obertürkheim zu.

Im Anhang legen wir eine Information der Stuttgarter Netz AG zur Aufklärung bei, dazu einen präzisen Bericht der Stuttgarter Zeitung über das Ausmaß der zu erwartenden Baumaßnahmen im Bezirk Obertürkheim.

Da die entscheidenden Arbeiten der Bahn, die in großem Umfang im Frühjahr 2018 in Obertürkheim beginnen sollen, bislang noch nicht den Bezirk direkt erreicht haben, fordern wir die Stadt Stuttgart auf, bis zur Entscheidung des Bundesverwaltungs-gerichts im Sommer 2018, einen vorläufigen Baustopp zu erwirken.

Anhänge:

Stuttgarter Zeitung v. 17.06.2010; Informationen der Stuttgarter Netz AG

Christoph Hofrichter

Bezirksbeiratsfraktion SÖS-LinkePluS

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Unterstützer_in

Luigi Pantisano, Stadtplaner
Mein Engagement bei SÖS gilt der Gestaltung einer solidarischen und sozialen Stadt, in der sich Vielfalt frei entfalten kann und Rassismus keine Chance hat. Wir sind alle Stuttgarter_Innen – unabhängig von Herkunft, sexueller Orientierung und Status.Luigi Pantisano, Stadtplaner

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