Plädoyer für die Bildung eines Ausschusses Klimaschutz- und Klimaanpassung des Bezirksbeirats Vaihingen (Klima-Ausschuss)

Im aktuellen IPCC (1) (Weltklimarat) Bericht von Ende 2018 werden die Folgen einer Erderwärmung von unter 1,5 Grad untersucht. Angesichts der eskalierenden Katastrophen, die wir bei einer Erwärmung von derzeit etwa 1 Grad bereits sehen, wird festgestellt, dass die Menschheit bei einer Erwärmung unterhalb der Schwelle von 1,5 Grad noch die besten Chancen hätte, einen desaströsen Zusammenbruch zu verhindern. Doch dies zu erreichen sei äußerst schwierig. Laut der Weltorganisation für Meteorologie der UN befinden wir uns auf dem Weg zu einer Erwärmung um 3 bis 5 Grad, die spätestens in 80 Jahren erreicht werde. Was mit Sicherheit bedeuten würde, dass große Teile der heute besiedelten Gebiete nicht mehr bewohnbar sein werden und Dürren zu erwarten sind, die in weiten Teilen der Welt die Ernten vernichten werden. Um die Wirtschaft rechtzeitig zu wenden und damit die Erwärmung unter 1,5 Grad zu halten, müssten weltweit – so der IPCC – in den nächsten 10 Jahren die CO 2 – und Methan-Emissionen um die Hälfte reduziert und bis 2050 auf Netto Null gesenkt werden. Da der Kohlendioxyd-Gehalt in der Atmosphäre bereits jetzt das unbedenkliche Niveau massiv übersteigt, sei es außerdem notwendig, ihr einen Großteil des CO2 wieder zu entziehen, ob durch kostspielige Abscheidungstechnologien, deren tatsächliche Wirkkraft niemand kennt, oder mit den altbewährten Methoden: durch die Pflanzung von Milliarden Bäumen und anderer Kohlenstoff bindender Pflanzen.

Dieses Ende der klimaschädlichen Emissionen, so stellt der Bericht fest, ist nicht mit einzelnen bürokratischen Maßnahmen wie einer CO2-Steuer oder allein durch die Umstellung auf regenerative Energieträger zu erreichen (obwohl auch diese einbezogen werden müssten). Vielmehr sei es notwendig, Energieerzeugung, Landwirtschaft, Verkehr und Wohnungsbau gezielt und sofort umzugestalten. Wir brauchen, so der erste Satz des Resümees des Berichts „rasche, weitreichende und nie dagewesene Veränderungen in allen Bereichen unserer Gesellschaft“, eine radikale Veränderung unserer gesamten Wirtschafts- und Lebensweise. (2)

Ob wir es schaffen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen ist eine Frage, bei der es nicht mehr um besser oder schlechter leben geht, sondern spätestens für unsere Enkelgeneration um ihr und das Überleben der Menschheit schlechthin.
Bei der Lösung dieser in der Tat immensen Aufgabe sind nicht allein die Regierungen gefragt, vielmehr kommt gerade den Städten, Gemeinden und Bezirken eine herausragende Bedeutung und damit Verantwortung zu:
Hier wird entschieden, wieviel CO 2 durch den Verkehr (Mobilitätsverhalten) ausgestoßen wird, wieviel CO 2 – intensiver Zement verbaut wird, wieviel CO 2 bindende Wald- und Grünflächen erhalten und erweitert werden und auch wie sozialverträglich die notwendige CO 2 -Reduktionen gelingen kann. Und hier wird entschieden, mit welchen Anpassungs- und Abmilderungsmaßen auf die bereits stattfindenden Klimaveränderungen reagiert wird.

Deshalb muss gerade auch hier an alle Vorhaben und Maßnahmen das Kriterium der Klimaverträglichkeit angelegt werden und auf dieser Grundlage beurteilt werden, ob ein Vorhaben realisiert werden soll oder nicht.

Solche notwendigen Kriterien und Maßstäbe können aber nicht bei jeder zur Entscheidung stehenden Einzelmaßnahme mit und neu diskutiert werden, weshalb es für die Entwicklung einer Gesamtsicht, in welche die Einzelmaßnahmen eingebunden werden können, eines Ausschusses bedarf.

Genau dies hat uns vor Jahren dazu bewegt einen Verkehrsausschuss und einen Strukturausschuss zu bilden mit dem Ziel, einen Gesamtplan zu entwickeln, wie wir uns die Mobilität und den Städtebau in Vaihingen perspektivisch vorstellen, um so die tagespolitischen Entscheidungen unter den Aspekt unserer Zielvorstellungen einordnen und beurteilen zu können.

Und genau diese Aufgabe kommt auch einem Ausschuss für Klimaschutz und Klimaanpassung zu. Mit dem Unterschied, dass inzwischen – angesichts der oben dargestellten Dringlichkeit – das Kriterium „Begrenzung der Erderwärmung“ Priorität hat und die Bereiche Verkehr und städtebauliche Entwicklung (Struktur) mit beinhaltet.

Aufgabe eines solchen Ausschusses könnte es z.B. sein auf der Grundlage und in Weiterentwicklung des Klimaschutzkonzepts (KLIKS) und des Klimaanpassungskonzepts (KLIMAKS) der Stadt Stuttgart, auf Vaihingen konkretisierte Zielvorstellungen und Konzepte zu entwickeln, wie ein sozial gerechter Klimaschutz aussehen kann. Ähnlich wie wir es seinerzeit mit dem Verkehrsstrukturplan der Stadt und mit dem von der Stadt abgebrochenen Strukturplan für Vaihingen getan haben und wofür wir jeweils einen Ausschuss eingesetzt haben.

(1) (Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ist eine Institution der Vereinten Nationen. In seinem Auftrag tragen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit den aktuellen Stand der Klimaforschung zusammen und bewerten anhand anerkannter Veröffentlichungen den jeweils neuesten Kenntnisstand zum Klimawandel. Der IPCC bietet Grundlagen für wissenschaftsbasierte Entscheidungen der Politik und zeigt unterschiedliche Handlungsoptionen und deren Implikationen auf, ohne jedoch politische Empfehlungen zu geben.)
(2) siehe auch Naomi Klein. Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann. Hoffmann und Campe, 2019

26.1.2020
Gerhard Wick

Unterstützer_in

Jan A. Lutz, Gestalter
Bürger­schaftliches Engagement und soziale Teilhabe sind die Pfeiler einer modernen Gesellschaft. Stadt als Marke war gestern. Für morgen brauchen wir die Stadt als soziales Netzwerk.Jan A. Lutz, Gestalter

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